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Opinie

Erste Eindrücke zum Laufradsatz ICAN AERO40 II vom „Cycling Professor Channel“

by LiNichole 11 May 2026 0 Comments

Einleitung: Das Dilemma der Carbonräder

Für den modernen Radfahrer gleicht die Suche nach dem „heiligen Gral“ der Ausrüstung – Carbon-Performance auf Elite-Niveau ohne einen Preis von über 2.000 Dollar – oft einem aussichtslosen Unterfangen. Man hat uns eingeredet, dass Gewichte unter 1.200 Gramm und Ratschen mit hoher Eingriffskraft ausschließlich Marken wie Zipp, Enve oder Roval vorbehalten sind. Die Einstiegshürde ist nicht nur eine Frage der Vorlieben, sondern eine Frage der Geldbörse.

Hier kommt der ICAN Aero II 40-mm-Laufradsatz ins Spiel. Ehrlich gesagt, lächerlich günstig für diesen Preis. Haben wir es hier mit einem echten technischen Durchbruch zu tun oder nur mit einem weiteren „Open-Mold“-Glücksspiel mit einem hübschen Aufkleber?

Im Folgenden finden Sie das Originalvideo des niederländischen YouTube-Kanals „Bicycle Professor“, in dem der ICAN AERO40 II-Laufradsatz getestet wird.

Die Diskrepanz zwischen Marktkapitalisierung und Kurs

Das Auffälligste am ICAN Aero40 II ist die Kluft zwischen seinem Gewicht und seinem Preis. ICAN gibt ein Gewicht von etwa 1177 Gramm an. Als ich sie auf die digitale Waage stellte, waren die Werte sogar noch niedriger: 530 g für das Vorderrad und 625 g für das Hinterrad. Mit 1155 Gramm für das Set spielen diese Laufräder in derselben Liga wie die 2.400 Dollar teuren Specialized Roval Alpinist oder CADEX Ultra 50.

Dann ist da noch der Preis. Bei 790 US-Dollar inklusive Mehrwertsteuer und Versand ist das Preis-Leistungs-Verhältnis atemberaubend. Ein wichtiges Detail für den versierten Verbraucher: ICAN versendet diese Räder aus einem EU-Lager, wodurch die üblichen Probleme mit Einfuhrzöllen und überraschenden Steuerrechnungen umgangen werden, die Direktkäufe aus Asien oft erschweren. Das Gleiche gilt für den Versand aus dem US-Lager von ICAN.

Allerdings verlangt die Physik immer einen Kompromiss. Das Kleingedruckte hier ist eine Gewichtsbeschränkung von 105 kg für den Fahrer. Wenn Sie ein kraftvoller Sprinter oder ein schwererer Fahrer sind, erscheint diese Zahl von 1155 g weniger wie ein Schnäppchen und eher wie ein potenzielles Risiko.

„Eigentlich würde man fast ein bisschen skeptisch werden, so niedrig ist es.“

Premium Bones: Keine Abstriche bei den Komponenten?

Normalerweise „schummeln“ preisgünstige Laufräder, indem sie Standardnaben mit mangelhafter Wetterdichtung oder schwere, spröde Speichen verwenden. ICAN ist diesem Muster nicht gefolgt. Die Felgen wurden mit Sapim CX Ray-Speichen eingespeicht – dem Goldstandard der Branche in Sachen Ermüdungsfestigkeit.

Die Hinterradnabe verfügt über ein 45-Zahn-Ratchet-System, das einen präzisen Eingriffswinkel von 8 Grad bietet. Es handelt sich um eine mechanische Konstruktion, die die Zuverlässigkeit von DT Swiss nachahmt. Die Naben verwenden handelsübliche Industrielager, was ein zweischneidiges Schwert ist: Sie sind außergewöhnlich einfach zu warten oder auszutauschen, aber es fehlt ihnen die proprietäre High-End-Abdichtung einer Boutique-Nabe.

Die überraschendste „Profi“-Note in der Verpackung war ein physischer Speichenspannungsbericht. Dieser „briefje“ (Zettel) dokumentiert die gemessene Spannung für jede einzelne Speiche, zusammen mit einer 2-Jahres-Garantiekarte. In der Welt des „billigen“ Carbon ist eine Dokumentation der Qualitätskontrolle auf diesem Niveau selten und trägt wesentlich dazu bei, die Skeptiker zum Schweigen zu bringen.

Die Realität hinter der Aufschrift „Selbstmontage“

Der Preis spiegelt den „Do-it-yourself“-Ansatz bei der Endmontage wider. Die Laufräder werden sicher in Schaumstoff verpackt geliefert, sind aber noch nicht fahrbereit. Ein besonderer Hinweis des Herstellers: Achten Sie beim Entfernen des Seitenschutzes, der für den Transport verwendet wurde, besonders darauf, dass Sie nicht versehentlich die Nabenkappen mit abziehen.

Auch beim Tubeless-Aufbau sind Sie der Chefmechaniker. Das Kit enthält silberne Ventile. Die wahre Geduldsprobe ist jedoch das Felgenband. Es ist hochwertig und unglaublich „klebrig“, was für die Abdichtung großartig ist, bei der Montage jedoch keine Fehler verzeiht. Sie müssen beim Verlegen eine hohe Spannung aufrechterhalten; bei zu geringer Spannung entstehen Blasen oder Fehlausrichtungen, die das Aufziehen eines Tubeless-Reifens zum Albtraum machen.

Regeln brechen: Das 35-mm-Experiment

Die Aero II verfügt über eine moderne Innenbreite von 23 mm und eine Außenbreite von 28 mm. ICAN empfiehlt einen Reifen zwischen 28 mm und 32 mm. Aus aerodynamischer Sicht haben sie recht. Um die „105er-Regel“ zu erfüllen – wonach die Felge mindestens 105 % der Reifenbreite betragen sollte, um den Luftstrom zu steuern –, würde man auf diesen 28-mm-Felgen idealerweise einen 25-mm- oder 26-mm-Reifen fahren.

Ich habe mich entschlossen, ein Aerodynamik-Verbrechen zu begehen und 35-mm-Reifen zu montieren. Dies erzeugt zwar ein „Glühbirnen“-Profil, das den aerodynamischen Übergang zerstört und den Luftwiderstand erhöht. Wenn sich der Trend in der Branche bei Gravel- und Ausdauerrädern weiterhin in Richtung „breiter ist besser“ entwickelt, möchte ich wissen, ob diese Felgen die seitliche Belastung eines 35-mm-Reifens bewältigen können, ohne sich instabil anzufühlen.

Fazit: Die 1.000-Kilometer-Frage

Auf dem Prüfstand wirkt der ICAN Aero II 40-mm-Laufradsatz wie ein Gigantenbezwinger. Die matte Carbonoberfläche ist dezent, der Einrastvorgang ist knackig und das Gewicht ist Weltklasse. Doch „Leichtbau“ ist ein beängstigendes Wort, wenn es nicht durch Langlebigkeit untermauert wird.

Das endgültige Urteil fällt erst nach meinem 1.000-Kilometer-Härtetest. Ich werde diese Räder hochintensiven Sprints und den unerbittlichen Vibrationen belgischer Kopfsteinpflaster aussetzen, um zu sehen, ob die Speichenspannung hält oder ob diese Industrielager schon nach der ersten Regenfahrt Spiel entwickeln.

Erleben wir in einer Zeit explodierender Fahrradpreise endlich die Demokratisierung von Elite-Carbon-Performance, oder gibt es versteckte Kosten, die sich erst bei hoher Geschwindigkeit offenbaren? 1.000 Kilometer werden uns zeigen, ob diese Laufräder ein Schnäppchen oder ein Risiko sind. Bleiben Sie dran.

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